P S Y C H O L O G I S C H E
     S I C H T W E I S E




Was in dem Roman in humorvoller Weise beschreiben wird, hat in Wirklichkeit einen psychologisch ernst zunehmenden Hintergrund. Luke Rhinehart ist das Pseudonym von George Cockcroft, der an der Columbia University als Psychologie-Professor tätig war. Bereits in den 60er Jahren, also 10 Jahre vor Veröffentlichung des Buches „Der Würfler“ hat er sich mit der systematische Einbeziehung des sogenannten „Zufalls“ in die menschliche Existenz befasst und auch in seiner Tätigkeit als Psychotherapeut seine Klienten in kreativer Weise zum Handeln gebracht, um selbstauferlegte Begrenzungen aufzubrechen und ihnen wieder die Möglichkeit zu geben, eine Vielzahl von Gefühlen, Talenten und Lebensweisen auszuleben.


Pressestimmen:

Dicepeople get from dicing a tolerably sharp sense of risk, impermanence and variety."                                                ---NEW YORK TIMES ----


“Luke Rhinehart and THE DICE MAN have launched a psychiatric revolution.”                                                —London Sunday Telegraph----


London's Time Out called THE DICE MAN “The most fashionable novel of the early 1970s”, and in 1995 a BBC production named it “One of the fifty most influential books of the last half of the twentieth century.”

In dem Buch geht es um die bewusste und systematische Einbeziehung des sogenannten „Zufalls“ in die menschliche Existenz. Es geht darum, normale festgefahrene Persönlichkeitsstrukturen aufzubrechen und somit den menschlichen Erfahrungsbereich durch Rollenspiel und schöpferisches Handeln auszuweiten. Es geht darum, auszuloten, wie weit die Vielseitigkeit der menschlichen Seele geht. Luke führte das Würfeln in sein eigenes Leben und in das seiner Patienten ein, das Ergebnis des Wurfs sollte große Entscheidungen bestimmen. Seiner Theorie zufolge neigten die Menschen zu Starrheit, indem sie sich mit festen Überzeugungen, Haltungen und Verhaltensweisen, mit einem einseitigen Selbst sozusagen begnügten, während ein gesunder Mensch sich glücklicher ausleben könnte mit einem Selbst, das viele Seiten hat, mit vielen widersprüchlichen Haltungen und ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen.

In seiner Würfeltherapie ermutigt er die Menschen dazu, sich eine Vielfalt möglicher Handlungen oder Rollen auszudenken und es dann dem Würfel zu überlassen, wie sie sich zu einer bestimmten Zeit, einem bestimmten Tag oder einer bestimmten Woche verhalten sollen. Es war sein Ziel, die meist verhärtete Persönlichkeitsstruktur aufzubrechen und dem Menschen Gelegenheit zu geben neue Gewohnheiten, neue Lieben und ein neues Leben für sich zu entdecken.

Die Werte sind Spielfreude, Flexibilität und Vielseitigkeit. Das Spielerische steht über dem Ernst, die Vielfalt über die Monotonie und das Bewegliche über dem Starren.

Da wir als Kind vom Wohlwollen unserer Eltern und Erzieher abhängig sind, lernen wir schließlich, uns an die Bedürfnisse und Erwartungen unserer Umgebung anzupassen und die Vorwände zu akzeptieren, die uns erklären sollen, warum wir nicht so sein können wie wir sind. In unserer weiteren Entwicklung wiederholen wir die grundlegenden Muster dieser Struktur immer wieder aufs Neue. Viele unserer natürlichen Bedürfnisse werden nun unterdrückt und das dadurch entstehende Leid verdrängt. Wir trennen uns von jenen Teilen unserer Welt, die den an uns gestellten Erwartungen nicht entsprechen, allmählich ab. Wir versuchen, den anderen zu gefallen in der Hoffnung, dass sie uns geben was wir brauchen, und wir tun alles, damit uns die anderen akzeptieren. Wir meinen nur so können wir uns selbst annehmen. Schließlich fangen wir an, ein Leben zu akzeptieren, das anders ist als wir eigentlich wollten. Ein Leben, in dem so elementare Bedürfnisse wie das nach freiem Selbstausdruck, nach Liebe und Nähe, so grundlegende Fähigkeiten wie die Freude an sinnlichen Erfahrungen , die Durchsetzung unserer Wünsche, spontane Kreativität, unbefangene Lebensfreude, intuitives Erkennen und vieles mehr nicht gelebt werden. Wir glauben keine Wahl zu haben und hoffen, dass sich die Umwelt irgendwie ändern und für unsere Bedürfnisse sorgen wird.

Die Lösung ist selbst für seine Bedürfnisse zu sorgen, da nur du selbst
deine wahren Bedürfnisse kennst. Dein Unterbewusstes weiß genau, welche mutigen Wahlmöglichkeiten du dem Würfel vorlegen musst um nicht noch länger in einer festgefahrenen Persönlichkeitsstruktur zu verharren sondern mit Hilfe des „Würfelspieles“ neue Möglichkeiten aus den geradezu unerschöpflichen Reservoir aller Möglichkeiten dieses Universums zu erfahren. 

Um aus dem Käfig des einzelnen Selbsts in den Vergnügungspark vielfältiger Entfaltung zu gelangen, bedarf es der Übung und der Spiele, welche die selbstauferlegten Begrenzungen aufbrechen und euch die Möglichkeit geben, eine Vielzahl von Gefühlen, Talenten und Lebensweisen auszuleben.

Menschen verändern sich in entscheidendem Maße nicht so sehr durch die „normale Entwicklung“, sondern eher durch plötzliche und einschneidende „abnorme“. „unzuträgliche“ und „unvorhersehbare Zufälle.  [ 324]  


Auszug aus „Der Würfler“ ………

"Meine Theorie ist, dass jeder von uns Nebenregungen hat, die durch seine normale Persönlichkeit unterdrückt werden und daher nur selten durchbrechen und in einer Handlung zum Ausdruck kommen  ... Die Nebenregungen sind die Schwarzen unserer Persönlichkeit. Sie sind unfrei seit der Formung unserer Persönlichkeit; sie leben als U-Boote in uns. Wir lehnen es ab anzuerkennen, dass eine Nebenregung potentiell vollwertig ist, so lange, bis ihr die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten gegeben werden wie unserem konventionellen Ich  ...  

Warum ist unseren Versuchen, Neurosen zu heilen, so durchgehend der Erfolg versagt geblieben? Warum verbreiten sich zusammen mit der Zivilisation auch die Unzufriedenheit, und das schneller, als wir neue Theorien darüber aufstellen, wie sie entsteht und was man dagegen tun könnte? Unser Fehler wird immer mehr offenbar. Aus den einfachen, einheitlichen, festgefügten Gesellschaften der Vergangenheit haben wir die Vorstellung einer Idealnorm des Menschen übernommen, die in unserer komplexen, chaotischen, labilen und multivalenten urbanen Zivilisation der Gegenwart überhaupt nicht mehr stimmt. ...

Die gesellschaftlichen Konsequenzen einer Nation von Würflern sind nicht abzusehen. Die gesellschaftlichen Konsequenzen einer Nation aus Normalen sind offenbar: Elend, Konflikte, Brutalität, Krieg und allgemeine Freudlosigkeit" (215 ff).

Die Psychologen der westlichen Welt versuchen die Probleme der Klienten zu lösen, indem sie den Klienten drängen eine einzige integrierte Persönlichkeit auszubilden, seine natürliche Vielfalt zu unterdrücken und ein einziges dominierendes Ich in sich zu errichten, das über die anderen die Kontrolle hat. Diese totalitäre Lösung hat zur Folge, dass ein großes stehendes Heer von Energie unterhalten werden muss, um die Kräfte der Nebenregungen niederzuhalten. Die normale Persönlichkeit existiert in mitten ständigen Aufruhrs (217)

Eine Million Jahre haben wir geglaubt, es gebe nur die Wahl zwischen Selbstbeherrschung, Disziplin einerseits, Sich-Gehen-Lassen andererseits. Dabei haben wir nicht erkannt, dass beides völlig gleichwertige Methoden sind, sich feste Gewohnheiten und Einstellungen und eine profilierte Persönlichkeit zuzulegen. Überhaupt diese verdammte Persönlichkeit! ... Was wir brauchen, ist disziplinierte Anarchie, kontrolliertes Sich-Gehen-Lassen ... eine neue Art zu leben, eine neue Welt, eine Gemeinschaft von Würflern" (214).